Post aus Schwallistan

Bemerkungen und Analysen zu den schriftlichen Ergüssen des Herrn Franz-Josef Wagner aus der Bild-Zeitung.

Dienstag, Mai 31, 2005

- Lieber Prof. Joachim Sauer -

Herr W. schreibt:

Lieber Prof. Joachim Sauer,
demnächst „First Man“ Deutschlands, wenn Ihre Frau Angela Kanzlerin wird. So ein Wesen hatten wir noch nie. Eine männliche Doris bzw. Hannelore.

Eine männliche Doris bzw. Hannelore! Hoho, das ist aber jetzt ein richtiger Schenkelklopfer.
Die Frauenzeitschriften werden sich auf Sie stürzen. Man wird Ihnen Fragen stellen, die geistig nicht älter sind als die von 12jährigen Kindern.

Zum Beispiel: Doris hat ihrem Gerhard die Krawatten ausgesucht, was tragen Sie zum äußeren Erscheinungsbild Ihrer Frau bei? Können Sie kochen? Was halten Sie von Lesben, schwulen Bürgermeistern?Wann haben Sie zum letzten Mal geweint? Wie oft gehen Sie ins Fitness-Studio? Wie halten Sie Ihren Bauch straff? Ihr Lieblingsstern? Ihr Lieblingslied? Ihr Lieblingsmaler, Ihr Lieblingsdichter?

Wenn diese Fragen auf dem Niveau 12jähriger Kinder sind und Sie das ja zu stören scheint, wieso müssen Sie sie dann aufzählen? Nur um Ihre Kolumne irgendwie zu füllen? Oder trauen Sie uns nicht zu dass wir verstanden haben was Sie meinten?

Es heißt, daß Sie Publicity hassen. Sie sind Professor der Chemie. Sie haben noch nie etwas über Angie gesagt. Als Frau, als Partnerin, als Frau am
Wochenende, als Frau um 2 Uhr nachts.

Wetten, dass er dann auch jetzt nicht über Nacht zur Plaudertasche mutiert? Und auch der letzte Satz hat wieder typisch wagneresque: 'als Frau um 2 Uhr nachts'. Was um Himmels Willen ist damit gemeint und wie kommt man auf so was?

Den Mann, der die nächste Kanzlerin Deutschlands umarmt, würde ich gerne fragen, was er dabei fühlt.
Hm, villeicht das Gleiche was Männer sonst fühlen wenn sie ihre Ehefrau umarmen? Oder glauben Sie villeicht es mache einen Riesenunterschied für die Gefühle ob die Ehefrau Kanzlerin ist? Wenn ja, brauchen Sie ja nur andere Männer berühmter Frauen zu fragen was diese denn so fühlen wenn sie ihre prominenten Ehefrauen umarmen. Und ob dies so anders ist als bei uns Normalsterblichen.

Herzlichst,

Ihr kaltes, klares Wasser

Montag, Mai 30, 2005

- Liebe Sonne -

Herr W. schreibt:

Liebe Sonne,

danke für das perfekte Wochenende, war am Wannsee. Die Hauptstadt Berlin fast nackt, wunderbar menschlich. Alles Schröder-/Merkel-Wähler und -Wählerinnen. Männer mittleren Alters mit dünn gewordenen Beinen, Frauen mit blauen Äderchen, schmalhüftige Homosexuelle, Kinder im Sandburgen-Alter, hinreißende 20jährige, die zum Schönsein keine Bräune brauchen.

Hauptsächlich diese scheinen ihn immer wieder zu begeistern ...

Was für ein glückliches Deutschland unter 36 Grad.

Auf was genau basiert er diese Aussage? Ist plötzlich alles gut und jeder glücklich nur weil es 36 Grad sind? Und gibt es nicht auch viele denen 36 Grad schon wieder viel zu heiss ist?

Deutschland ist so einfach. Ein Picknickkorb, ein Handtuch. Als Familienmensch ein Sandeimerchen, als Single ein Taschenbuch.

Einfach ist besonders sein Schreibstil und sind seine Überlegungen. Und wofür braucht der Single ein Taschentuch? Um den Schweiss abzutupfen? Aber das bräuchten Nicht-Singles auch. Um eine heimliche Träne wegzuwischen weil er kein Sandeimerchen braucht? Aber dann wäre er ja nicht glücklich. Und Deutschland ist doch glücklich! Das Rätsel des Taschentuchs bleibt also offen ... [edit: Nach nochmaligen Lesen vermute ich das das Taschentuch im Gegensatz zu dem Handtuch stehen soll. Aber was soll man mit beidem machen? Sich draufsetzen, sich abtupfen, ... ?]

Ich wiederhole mich. Was für ein Glück. Die Luft ist heiß bis in die Nacht. Die T-Shirts kleben an den verschwitzten Körpern. Am liebsten würde man sich die Kleider vom Leib reißen, um sich Erleichterung zu verschaffen.

Und im Falle des Herrn W. wohl nicht nur zur Erleichterung von der Hitze ...

Am liebsten würden wir uns alle lieben.

Eh, klar. Sicher ... Eine Riesenorgie. Und besonders wollen mir alle Herrn W. lieben!

Leider wird es heute wieder kälter. Ein Schlechtwettergebiet zieht heran. Wir werden uns wieder verhüllen, kein Busen schwitzt im BH.

Auch hier scheint wieder das Sexuelle, leicht Lüsterne, im Vordergrund zu stehen. Nun kann Herr W. keine jungen, nackten oder sich gegen ein enges Tshirt abzeichnende Brüste mehr sehen! Ja, es ist wirklich (wieder) kalt geworden in Deutschland!

Die Sonne am Wochenende war wie die Vorschau auf das Paradies – nie mehr kalt.

So stellt sich Herr W. also das Paradies vor? Immer diese brütende Hitze? Dass er sich da mal nicht täuschen wird. Würde man die Äthiopier fragen würden diese das Paradies wohl eher frisch und schattig erwarten.

Herzlichst,

Ihr kaltes, klares Wasser